gk_3bgr
1-32-33-14-25-26-37-2
1-1li3b23c13d23e23f23g23h21-1re1-1li3b23b23e13h23h21-1re

silreluftGeorg Kreisler: Die Theaterwerke.

Premierenkritik zur deutschen Erstaufführung von OBEN
Südkurier, Jürgen Scharf
Dank an den Südkurier für den Text...

In der Klinik ist der Teufel los
Deutsche Erstaufführung des Kreisler-Stückes „Oben“
In einer Nobelklinik in den Alpen ist der Teufel los. Die Ärzte werden mit dem Hubschrauber eingeflogen, bei der Operation werden die Patienten wissentlich verwechselt. Die Ausführenden übernehmen keine Haftung für Ohnmachtsanfälle während der Operation und für Blutspritzer auf der Kleidung des Publikums. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie den Autor oder die Regisseurin.
Ein blutiger Abend, diese Ärzte-Satire „Oben“ (gemeint ist: „Oben schwimmen anstatt unten“) des Kabarettisten Georg Kreisler. Die musikalische Komödie wird als deutsche Erstaufführung von der Festspielgemeinde Bad Säckingen im Schlossparkpavillon witzig und temporeich präsentiert.
Wer die erfolgreiche Premiere gesehen hat, kann voraussagen: Das wird ein Renner, dieses noch unbekannte Kleinmusical vom österreichischen Altmeister des schwarzen, hintersinnigen und bitteren Humors. Warum das 1989 verfasste Stück, in dem sich der kritische Kreisler des Skalpells bedient, um dem zwielichtigen Treiben von Wirtschaftsbossen, Waffenschiebern, Politikern und Klerikern ein Ende zu machen, noch nie aufgeführt wurde - keine Ahnung. Es ist überraschend weitsichtig und aktuell, mindestens so aktuell wie die antiklerikalen Stücke von Hochhuth oder die Dürrenmattschen „Physiker“. Geht es doch hier um korrupte Ärzte, fragwürdigen Enthüllungsjournalismus, einen Waffenhändler, einen Kardinal und einen Innenminister, die alle Dreck am Stecken haben.
In der exklusiven Privatklinik, wo nur Ärzte. Patienten und das amüsierte Publikum Zutritt haben, passiert allerlei Seltsames. Jeder Arzt lebt von den Fehlern anderer Ärzte, ist die bissige Erkenntnis des 82jährigen Humoristen und Taubenvergifters. Der in Basel lebende Wortjongleur, der einer der besten Satiriker ist, die wir haben, versteht auch in diesem OP-Metier sein sezierendes Handwerk. Und er lässt frei von der Leber weg lügen, betrügen und skalpieren. Das alles mit viel Situationskomik, die von Schadenfreude lebt.

Aus den ursprünglichen Ärzten sind bei der Theaterwerkstatt vier Ärztinnen geworden, die Urologin (Susi Kanele), die Augenärztin (Heike Bengs), die Neurologin (Sabine Krüger) und die HNO-Ärztin (Diana Spindler) mit Namen wie Professor Schneider, Todt, Geyer, Hacker - nomen est omen. Sie singen im Quartett ein freches Auftrittslied.
Patienten in dieser dubiosen Alpenklinik sind ein Medienmogul mit neurologischen Ausfällen wie Gesichtszuckungen. Hilde Butz mimt ihn mit coolen Sprüchen und einiger Häme als Hosenrolle. Des weiteren ein Kardinal mit abnormem Sexualtrieb. Dessen Rolle musste die Regisseurin Renate Kraus kurzfristig übernehmen, sein späteres Schicksal als kastrierter Kleriker parodiert sie famos. Da ist noch der impotente Innenminister. Günter Kraus stellt ihn mit tauschend ähnlichem Kreisler-Timbre dar (oder haben wir uns da verhört?) und erntet für die tagespolitische Anspielung als tauber Bundeskanzler schallendes Gelächter. Bleibt noch der suspekte Waffenhändler. Der kann nach der fragwürdigen Operation als „geheilt“, sprich wahnsinnig, entlassen werden. Mit seinem rosa Bademantel und den Kinderfäustlingen ist der irrwitzig komische Grimassenzieher Thierry de Winter die größte Lachnummer und fast so etwas wie der heimliche Star des Ensembles: von der Mimik her die Bad Säckinger Ausgabe des französischen Starkomikers Louis de Funes.
Ein ganz besonders seltsames Liebespaar sind ein Teufel und die Oberschwester Libgard (ihm heillos verfallen: Rita Schnabel), die bei der Operation zusammen Tango tanzen. Michael Lotzgeselle mimt den mephistophelischen Herrn der Unterwelt süffisant- ironisch mit zwei kecken Teufelshörnchen und Las-Vegas-Glitzerfrack als diabolischen Einflüsterer und Strippenzieher. Wenn er seine Großmutter mitbringt (die langbeinig stöckelnde, sexy-laszive Susi Kanele), wird die Klinik zum Erotikschuppen und auf der Bühne ist die Hölle los.
Es wird aber nicht nur operiert, sondern auch viel gesungen. Am Klavier begleitet Nellia Pfeifer die Chansons betont schmissig. Der Gag des Stücks wird hier nicht verraten, nur soviel: aus dem OP kommen die Protagonisten anders raus als sie reingegangen sind - unheilbar gesund. Das muss man einfach gesehen haben. Leider sind alle Vorstellungen ausverkauft.


Schlagzeilengk_ticker
gk_ob19 gk_un22 gk_ob30 gk mi34

gk_luft
gk_liniegk_linie

 


gk_linie


© 2004 - 2015 kip media
e-Post: info@kip-media.de


Gestaltet auf dem Macintosh unter MacOS X